Seit 35 Jahren aktiv für Kinderrechte

HHN, drei Buchstaben, die Hoffnung bedeuten. Sie stehen für Chancengerechtigkeit und Bildung von tausenden Kindern weltweit. Seit 1990 setzt sich der Verein „Human Help Network“ für die Umsetzung der UN-Kinderrechte ein. STUZ traf den Vorsitzenden Malte Wolf.
Von Ulrich Nilles
Die Arbeit des Netzwerks reicht von Mainz bis nach Ruanda, Uganda und Thailand, wo das HHN gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen nachhaltige Unterstützung leistet. „Wir sind überzeugt, dass Bildung der Schlüssel für nachhaltige Verbesserungen in den Projektländern ist“, betont der Vereinsvorsitzende Malte Wolf. „Kinder sollen befähigt werden, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.“
Erfolgreiche Projekte weltweit
Eines der ältesten Projekte sind die „Kinderfamilien“ in Ruanda. Ursprünglich für Waisen des Genozids von 1994 ins Leben gerufen, unterstützt das HHN heute Kinder, die aufgrund von HIV, Armut oder ungewollten Schwangerschaften ohne Eltern aufwachsen. „Bei meinem letzten Besuch in Ruanda habe ich ehemalige Begünstigte aus dem Projekt getroffen, die jetzt eigene Familien haben und erfolgreich im Beruf stehen“, berichtet Wolf. „Sie sagten zu mir: ‚You are my parents‘. Das hat mich tief berührt.“ In den Bildungsprojekten zeigt sich der Erfolg des psychosozialen Ansatzes. Anstelle von wenig nachhaltigen Einzelmaßnahmen tritt die intensive Begleitung der Kinder durch ausgebildete Sozialarbeiter:innen.
Eng verknüpft mit den Bildungsprojekten ist das Thema Landwirtschaft. In Ruanda und Uganda unterstützen lokale Sozialarbeiter:innen und Agronom:innen Familien bei der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Felder. „Schon mit geringen Mitteln lassen sich oft unmittelbare Ergebnisse erzielen“, so Wolf erfreut. Dadurch wird die Ernährungssicherheit verbessert und Einkommen für den Schulbesuch generiert. „Wir wollen Selbstwirksamkeit fördern, nicht dauerhafte Abhängigkeit“, so Wolf.
In Uganda arbeitet der Verein zudem mit den „Salesianern Don Bosco“ zusammen, die dort ein Jugend- und Ausbildungszentrum betreiben. Die Salesianer sind eine weltweit arbeitende Ordensgemeinschaft, die sich für die Bildung und Ausbildung von armen und sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen einsetzt. In Thailand finanziert das HHN eine Schule für Kinder ohne Bildungszugang in einem Kinderdorf für ehemalige Straßenkinder.
Der Tod von Vereinsgründer Ewald Dietrich im Juli 2024 hinterließ eine große Lücke. „Er war voller Energie und Ideen“, erinnert sich Wolf, der 15 Jahre an seiner Seite arbeitete. Dietrich initiierte 2002 die „Aktion Tagwerk“, eine bundesweite Kampagne für Schüler:innen aller Altersstufen und Schulformen. Einmal jährlich jobben sie an einem Aktionstag, um Gelder für Kinder und Jugendliche ohne Bildungszugang zu sammeln. Mehrere Millionen Schüler:innen, unterstützt von engagierten Lehrkräften, nehmen daran teil. Die erarbeiteten Einnahmen fließen dann in Projekte des Netzwerks. Die Initiative hat sich zu einer festen Größe in Deutschland entwickelt.
Neue Herausforderungen und Wege
Trotz gewachsener Strukturen sieht das Netzwerk Handlungsbedarf in der eigenen Sichtbarkeit. „Wir sind in Mainz zu wenig präsent“, stellt Wolf fest. Das soll sich ändern, etwa durch die Teilnahme an Veranstaltungen. „Anzeigen schalten reicht nicht mehr. Wir müssen neue Wege gehen, um Menschen für unsere Arbeit zu begeistern.“
Ein vielversprechender Ansatz ist das „Internationale Klassenzimmer“: Per Videotelefonie berichten Projektmitarbeitende direkt aus Ruanda oder Thailand in deutsche Schulklassen. „Das bringt junge Menschen ganz nah an die Realität und gibt ihnen die Möglichkeit, in Austausch zu treten“, erklärt Wolf.
„Liveschalten könnten auch zur Bildungsarbeit im Rahmen der Aktion Tagwerk eingesetzt werden“, überlegt er, „oder für Veranstaltungen mit Bürger:innen in Mainz.“ Technisch sei das kein Problem. „In Ruanda sind die Internetverbindungen oft besser als bei uns“, ergänzt Wolf schmunzelnd.
Im Büro in der Walpodenstraße sind die Mitarbeitenden in Teams aufgeteilt, wobei der größte Teil für die Aktion Tagwerk arbeitet. Daneben gibt es die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Buchhaltung und Projekte. In Thailand wird das örtliche Team jedes Jahr von zwei weltwärts-Freiwilligen unterstützt, in Mainz durch zwei FSJler.
Zukunftsaussichten
Die Corona-Pandemie, steigende Inflation und ungünstige Wechselkurse haben das Netzwerk in den letzten Jahren gezwungen, seine Ressourcen gezielter einzusetzen. „Wir konzentrieren uns auf Projekte, für die wir die Hauptverantwortung tragen“, erklärt Wolf. Der Verein finanziert sich durch die Beiträge der rund 900 Fördermitglieder sowie die Einnahmen der Aktion Tagwerk. Darüber hinaus beantragt er regelmäßig Fördermittel bei Stiftungen. Mit einem Jahresumsatz zwischen 1,5 bis 2 Millionen Euro gelingt es, eine Vielzahl von Projekten zu unterstützen.
Trotz aller Herausforderungen bleibt das HHN seinem Grundsatz treu, Kindern durch Bildung eine Perspektive zu geben. „Meine Belohnung ist das Lächeln der Kinder“, sagte Ewald Dietrich einst, ein Vermächtnis, das das Netzwerk weitertragen wird.
Foto: Malte Wolf, HHN